Aktuelles

NESS L300 Fußheber-System


Das Ness L300 ist ein hoch entwickeltes System zur funktionalen Elektrostimulation (FES), das kleine elektrische Impulse an den Wadenbeinnerv (Nervus peroneus communis) im Bein sendet und dadurch die Fußheber stimuliert. Das NESS L300 erfasst - in Echtzeit - die Gehposition, die verschiedenen Gehgeschwindigkeiten sowie Änderungen in der Untergrundbeschaffenheit.

Das Ergebnis:

Das NESS L300Fußheber-System kann Patienten, die an einer Verletzung oder Erkrankung der oberen Motorneurone leiden, beim Gehen behilflich sein.

 

Das NESS L300 bietet eine Vielzahl an Vorteilen für verschiedenste Patienten

Das NESS L300 kann Patienten helfen, die Funktion des Fußhebers wiederherzustellen, der durch eine der folgenden Ursachen hervorgerufen wurde:

  • Schlaganfall

  • Schädel-Hirn-Trauma

  • Multiple Sklerose

  • Zerebralparese

  • Inkomplette Rückenmarksverletzung

Das NESS L300 hilft nicht nur den Bewegungsablauf beim Gehen zu normalisieren, sondern kann auch Folgendes erreichen:
 

  • Wiederaufbau der Muskeln, so dass diese ohne NESS L300 funktionieren (motorische Rehabilitation)

  • Vermeidung oder Verzögerung einer Atrophie

  • Aufrechterhaltung oder Erweiterung des Bewegungsumfangs des Sprunggelenks

  • Erhöhung der lokalen Blutzirkulation


Drei kleine, unauffällige, drahtlose Komponenten

  1. Intelli-Sense Gait Sensor
    Während der Patient läuft, erkennt der Sensor automatisch die Positionen, in denen die Ferse abgehoben bzw. aufgesetzt wird, sowie verschiedene Untergründe und Geschwindigkeiten.
     

  2. Komfortable, leichte Beinmanschette
    Die Elektroden auf der Innenseite der Manschette werden für jeden Patienten speziell angepasst. Der Kniescheibenausschnitt an der Manschette ermöglicht stets von neuem eine korrekte Elektrodenplatzierung.
    Außerdem kann die Manschette vom Patienten leicht mit einer Hand angelegt werden.
     

  3. Miniatur-Steuereinheit
    Mit Hilfe der tragbaren Steuereinheit wird das NESS L300 ein- und ausgeschaltet und die Stimulation reguliert. Die Steuereinheit greift auf das drahtlose Programmiergerät des Therapeuten zu, über das Folgendes erreicht werden kann:
    Einstellen der Stimulationsparameter, Vornehmen von Änderungen, die automatisch in der Patientenakte gespeichert werden, Verfolgen von Gangdaten und Überwachen der Patientencompliance.

 

Wir bieten spezielle Screening-Tage zur Erprobung in unserem Hause an. Aktuelle Termine entnehmen Sie bitte unter "Veranstaltungen/Fortbildungen".
Gerne finden wir gemeinsam mit Ihnen heraus, ob dieses System für Sie geeignet ist. Es besteht die Möglichkeit, sich unverbindlich zu informieren und das Produkt auszuprobieren.

Melden Sie sich bitte einfach bei uns.

Für Fragen steht Ihnen Olaf Nill unter Telefon (0 70 71) 41 04-1 20 gerne zur Verfügung. 

 


 

NESS H200 Handrehabilitationssystem

Die Hand ohne große Anstrengung öffnen und schließen. Gegenstände festhalten und loslassen.

Dies alles - und noch viel mehr - könnten Sie dank des NESS H200 Handrehabilitationssystems tun.

Das NESS H200 ist ein modernes, funktionelles elektrisches Stimulationssystem (FES), das eine schonende elektrische Stimulation verwendet, um Sie beim Öffnen und Schließen Ihrer Hand zu unterstützen.

Kundenspezifische Stimulationsprogramme können Ihnen dabei helfen, Ihre täglichen Arbeiten auszuführen und langfristig auch Ihre Muskeln wieder zu trainieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahlreiche Vorteile für viele unterschiedliche Patienten

Das Ness H200 kann Sie dabei unterstützen, die Funktion Ihrer Hand und Ihres Handgelenks bei den folgenden Krankheitsbildern wieder herzustellen:

  • Schlaganfall

  • Schädel-Hirn-Trauma

  • Rückenmarkverletzung

  • Weitere neurologische Störungen

 

Zusätzliche Vorteile

Außerdem bietet das NESS H200 folgende Vorteile:

  • Verbesserung des aktiven Bewegungsbereichs und der Funktion der Hand

  • Trainieren der Muskeln, so dass diese wieder ohne das System funktionieren

  • Reduzieren von Muskelkrämpfen

  • Verbesserung der lokalen Blutzirkulation

  • Vorbeugen von Muskelschwund (Atrophie)

 

Zwei fortschrittliche Komponenten machen es Ihnen leicht

Sie können das NESS H200 mit nur einer Hand anlegen, bedienen und abnehmen.
 

  1. Eine leichte, komfortable Orthese wird kundenspezifisch an Ihrem Unterarm und Ihrer Hand angebracht, um sicherzustellen, dass Sie genau die Stimulation erhalten, die Sie benötigen.
     

  2. Die tragbare Bedieneinheit sendet elektrische Impulse an die Muskeln, die Hand- und Handgelenkfunktion steuern. Von Bioness geschulte Spezialisten passen die Einstellungen genau an die Stimulation an, die Sie benötigen.


Wir bieten spezielle Screening-Tage zur Erprobung in unserem Hause an. Aktuelle Termine entnehmen Sie bitte unter "Veranstaltungen/Fortbildungen".

Gerne finden wir gemeinsam mit Ihnen heraus, ob dieses System für Sie geeignet ist. Es besteht die Möglichkeit, sich unverbindlich zu informieren und das Produkt auszuprobieren. Melden Sie sich bitte einfach bei uns.

Für Fragen steht Ihnen Olaf Nill unter Telefon (0 70 71) 41 04-1 20 gerne zur Verfügung.


 


 

 

Alle Fünfe - Die neue i-Limb Prothesenhand

Quelle: Handicap 4/2007 - Text und Fotos: Gunther Belitz

Die myoelektrische Handprothese i-Limb ermöglicht die Bewegung aller fünf Finger und eine ganze Reihe neuartiger Griffvariationen. Welche Vorteile das für die Anwender haben kann, erfuhr HANDICAP bei Brillinger Orthopädie in Tübingen.

Das Unternehmen hat sich unter anderem auf die moderne Armprothetik spezialisiert und eine der ersten Testversorgungen mit der intelligenten Prothesenhand durchgeführt. Oliver Ritter ist ein tatkräftiger junger Mann, der mit beiden Beinen voll im Leben steht.

Und mit beiden Händen, denn der gelernte Betriebsschlosser hat sich auch durch eine Unterarmamputation, die er 2002 bei einem Arbeitsunfall erlitt, nicht aus dem Tritt bringen lassen. Der 40-Jährige aus Pfullendorf machte eine Umschulung zum Maschinenbautechniker und betreut heute Großprojekte im Rahmen des Facility Managements. Seit seiner Amputation ist er bei Brillinger Orthopädie versorgt, stellt sich immer wieder als Testanwender zur Verfügung und hat auch schon für Schulungsfilme Modell gestanden.

 

Im Alltag trägt Oliver Ritter einen Silikon-Maßliner von Brillinger und die SensorHand Speed von Otto Bock, mit der er sehr gut zurechtkommt. Er fährt damit Fahrrad und Motorroller, nimmt für Arbeiten mit Motorsäge und Flex in Haus und Garten die Prothese zur Hilfe und bastelt an seinem geliebten Citroen 2CV, der guten alten "Ente", herum. "Da gibt es immer etwas zu schrauben", sagt er. "Das Werkzeug kann ich mit der Prothese aufnehmen und der natürlichen Hand zuführen." Seine Frau freut sich ganz besonders, dass er sogar in der Lage ist, mit der künstlichen Hand einen Faden ins Nadelöhr einzufädeln. Heute ist Oliver Ritter bei Brillinger Orthopädie, um als einer der ersten Probanden die neue i-Limb Prothesenhand auszuprobieren. Die Innovation des schottischen Herstellers Touch Bionics wurde Brillinger von der Firma Ortho-Reha Neuhof aus Nürnberg für den Test zur Verfügung gestellt, die das i-Limb-System in Deutschland vertreibt.

Die myoelektrische Handprothese mit fünf beweglichen und von je einem Motor angesteuerten Fingern ist für die Versorgung von Amputationen im Bereich des Unterarms vorgesehen. Zur Versorgung von Teilamputationen der Hand können die ProDigit genannten Prothesenfinger auch einzeln eingesetzt werden. "Das System ermöglicht es, Gegenstände wie mit einer menschlichen Hand zu umschließen und ist damit die erste voll funktionsfähige Adaptivhand auf dem Markt", berichtet Jochen Steil, bei Brillinger verantwortlich für die Armprothetik und Silikontechnik. "Wir haben den Anspruch, technologisch in allen Bereichen ganz vorne sein und testen deshalb alle Neuheiten im Hause, um uns selbst ein Urteil bilden zu können", ergänzt Klaus Fischer, Geschäftsführer des traditionsreichen und zugleich zukunftsorientierten Familienunternehmens. So wurde in Tübingen schon vor mehr als zehn Jahren ein Silikon-Labor geschaffen, in dem neben den Maßlinern auch ästhetisch perfekte Prothesen gefertigt werden. Und die Schulung von Armamputierten im Gebrauch ihrer Prothesen erfolgt durch Ergotherapeuten in einem speziell eingerichteten Bereich.
 


Hier treffen wir uns mit Oliver Ritter, nachdem ihm Orthopädietechnikermeister Jochen Steil in der Werkstatt die i-Limb-Prothese angepasst hat. Technisch ist die Umstellung kein Problem, denn die Hand ist mit den myoelektrischen Systemen von Otto Bock kompatibel. Auch die Ansteuerung der gewohnten Funktionen zum Öffnen und Schließen der Hand bzw. zum Drehen des Handgelenks ist nahezu identisch. "Ich bin mit dem i-Limb sofort auf dem gleichen Niveau wie mit meiner Alltagshand", berichtet Oliver Ritter. Der zusätzliche Clou des neuen Systems sind die vier verschiedenen Griffvariationen, die durch eine entsprechende Positionierung des Daumens mit der natürlichen Hand oder an der Tischkante unauffällig aktiviert werden können. Mit dem so genannten Kraftgriff wird es so möglich, einen Gegenstand mit allen fünf Fingern der Prothese zu umschließen. Da die Griffkraft und Geschwindigkeit der Fingerbewegungen proportional zum myoelektrischen Eingangssignal gesteuert werden können, gelingt es Oliver Ritter schon bald ohne Mühe, eine Mandarine und einen kleinen Joghurtbecher formschlüssig und sicher zu greifen, ohne dass die filigrane Ware auch nur im Geringsten gequetscht wird.

Mit dem Schlüsselgriff lassen sich Gegenstände zwischen dem seitlichen Zeigefinger und dem Daumen gezielt einklemmen, was uns der Proband beim Servieren eines dampfenden Kaffees eindrucksvoll demonstriert. "Mit einer konventionellen Hand muss man die Untertasse ausbalancieren, mit der i-Limb-Prothese kann man sie aktiv halten", erklärt Oliver Ritter. Auch beim Lesen von HANDICAP sind die funktionellen Vorteile dieses Griffmodus offensichtlich, denn er kann das Magazin mit der Prothese sicher fixieren, um etwa mit der natürlichen Hand eine Seite weiter zu blättern. Ebenso sinnvoll und praktisch sind der Spitzgriff, der dem Ergreifen kleiner Gegenstände mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger dient, und der einzeln ausgestreckte Zeigefinger, der das Tippen auf einer PC- oder Handy-Tastatur enorm erleichtert. Darüber hinaus gibt es noch einen so genannten Ankleidemodus, in dem der Daumen so an die geöffnete Hand angelegt werden kann, dass man beim Hineinschlüpfen in den Jacken- oder Hemdsärmel nicht hängen bleibt.


"Die i-Limb-Hand ist ein großer Fortschritt, vor allem, weil sie neue Griffvariationen bietet und wirklich lebensechte Stellungen ermöglicht", urteilt Oliver Ritter. Die Auswahl der Griffmodi sei zudem unproblematisch, da die dafür notwendige Positionierung des Daumens sehr einfach und manuell vonstatten gehe. "Der Formschluss durch die Beweglichkeit aller Finger ist super", zeigt sich auch Jochen Steil begeistert. Allerdings ließen sich die Finger momentan noch nicht willentlich einzeln bewegen, weil die Muskelansteuerung dafür zu komplex wäre. "Das Problem könnte man aber in Zukunft softwareseitig lösen", meint der Armprothetik-Spezialist von Brillinger. Einen Nachteil sieht er in der mit 20-30 Newton pro Finger relativ geringen Griffkraft der i-Limb-Prothese. Zum Vergleich: Die SensorHand Speed weist eine maximale Griffkraft von 100 Newton auf. "Fleisch kann ich damit nicht schneiden, und auch das Schuhe zu binden klappt mit der SensorHand besser", sagt Oliver Ritter. "Die i-Limb-Hand ist sicher keine ideale Arbeitsprothese für den Landwirt, sondern eher eine optisch und funktionell sehr ansprechende In-novation für den urbanen Businessmann", ergänzt Jochen Steil.
 

Mit einem Fachhandeis-Einkaufspreis von 13.700 Euro ist das intelligente System nicht gerade ein Schnäppchen. Hinzu kommt noch die individuelle Handkosmetik aus Silikon, die bei Brillinger mit circa 3.000 Euro zu Buche steht und bei der i-Limb-Prothese eine besondere Herausforderung ist. "Aufgrund der Beweglichkeit aller Finger muss auch das Material besonders flexibel sein und zum Beispiel die Faltenbälge an den Fingern exakt berücksichtigen", erklärt Jochen Steil. "Die Kosmetik für die Hand von Oliver Ritter sieht zwar schon recht passabel aus, ist aber noch ein Prototyp." Auf die Frage, welche Wünsche an eine künstliche Hand nach dem Test der i-Limb-Prothese noch offen bleiben, antwortet Oliver Ritter spontan: "Ein Vibrationsalarm, der von den Fingerspitzen der Prothese auf den Innenarm geleitet wird, denn dann müsste man nicht mehr bei jeder Bewegung genau hingucken". Und Oliver Ritter ist sich sicher, dass er zu den ersten Menschen gehören würde, die eine solche Innovation im Hause Brillinger ausprobieren dürften.


 

Handwerk mit Begeisterung

Quelle: Handicap 3/2006 - Text und Fotos: Gunther Belitz

Klaus Fischer und Stefan Schreiner mit Eberhard Körner vor dem Haupthaus
Fachsimpeleien: Eberhard Körner auf seiner Harley mit Stefan Schreiner und Klaus Fischer vor der Firmenzentrale

Der Name Brillinger hat schon seit fast 100 Jahren einen guten Ruf in der Orthopädie- und Reha-Technik. Und der heutige Geschäftsführer Klaus Fischer hat die Weichen frühzeitig auf Zukunft gestellt. Mit qualitativ hochwertigen Versorgungen, kundenorientierten Dienstleistungen und hochmotivierten Mitarbeitern ist Brillinger Orthopädie zu einem der führenden Betriebe in Deutschland geworden.

Mit seiner Harley Davidson fährt Eberhard Körner bei Brillinger vor und parkt seine Maschine direkt unter der tonnenförmigen Dachkonstruktion aus Alu-Profilen, die den großzügigen Eingangsbereich beschirmt.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass der 41-jährige Inhaber einer Werbeagentur in Waiblingen eine Armprothese trägt. Nach einem Motorradunfall musste ihm 1983 der rechte Unterarm amputiert werden.

Die Harley hat der gelernte Maschinenbautechniker selbst behindertengerecht umgebaut. Das Motorrad mit 1.340 ccm Hubraum ist eine Sonderanfertigung, die Armprothese auch. Über einem maßgefertigten Liner von Brillinger, der extrem dünn ausläuft und keine Längsdehnung aufweist, trägt Körner einen Karbonschaft mit einer myoelektrischen Hand.

"Die haben wir etwas getunt", berichtet André Banzhaf, Leiter des vierköpfigen Armtechnik-Teams bei Brillinger, wo Eberhard Körner von Anfang an versorgt wird. "Die perfekte Passform des Schaftes und die optimale Griffkraft mit der Elektrohand sind beim Lenken, Einparken und Schieben der Harley enorm wichtig", erklärt Körner. "Zudem vibriert die Maschine während der Fahrt ziemlich stark."

Good Vibrations
Good Vibrations: Seine Maschine hat Eberhard Körner auch mit Armprothese bestens im Griff

Mit Armprothese steigt der 41-Jährige auch aufs Mountainbike, hält die Schoot beim Segeln, schiebt eine Schubkarre oder wirft den Ball zum Aufschlag beim Tennis hoch. "Ich versuche wie ein Mensch mit zwei Händen zu leben" - und das geht eben nicht ohne Kunstarm.

"Wir verkaufen keine Prothesen, sondern wir definieren den Rehabilitationserfolg", sagt André Banzhaf programmatisch. André Banzhaf beim Versorgungsgespräch

"Ein Waldarbeiter hat natürlich völlig andere Bedürfnisse als eine Sekretärin in der Großstadt, das müssen wir berücksichtigen."

Der 43-Jährige ist ausgebildeter Ergotherapeut, hat sich in die technischen Details der Armprothetik intensiv eingearbeitet und - wie er selbst sagt - "keine Fortbildungsveranstaltung ausgelassen".

Das Unternehmen hat für jedes myoelektrische System auf dem Markt eine Zertifizierung erworben. "Wir sind nicht markengebunden, sondern stellen für unsere Patienten die jeweils optimale Passteilkonfiguration zusammen."

Auf die ergotherapeutische Schulung der großen und kleinen Anwender legt man bei Brillinger Orthopädie in hervorragend dazu ausgestatteten Räumlichkeiten besonderen Wert.

"Die Erfolgschancen einer Armprothesenversorgung steigen exponentiell mit einer individuellen und am Umfeld des Prothesenträgers ausgerichteten Ergotherapie", betont Banzhaf.

Prüfender Blick: Orthopädie Techniker in der WerkstattEberhard Körner will demnächst sogar das Golfspielen erlernen. Wohltemperiert: Sitzschalenversorgung mit KlimamenbranDamit er sein Handicap verbessern kann, hat Brillinger auch dafür eine spezielle prothetische Lösung parat. 1983, im Jahr als Eberhard Körner amputiert wurde, übernahm Klaus Fischer in der dritten Familiengeneration die Geschäftsführung des fast 100 Jahre alten Sanitätshauses Brillinger im malerischen Tübingen.

"Damals wurden noch Holzbeine geschnitzt, aber das konservative Denken haben wir schnell überwunden", berichtet der 55-jährige Orthopädietechnikermeister. Heute beschäftigt die Brillinger Gruppe im Tübinger Hauptsitz, weiteren Filialen in Tübingen, Mössingen und Reutlingen sowie in zwei Klinikwerkstätten insgesamt 145 Mitarbeiter und gilt als innovatives Kompetenzzentrum für die Orthopädie- und Reha-Technik.

"Wir haben uns in den verschiedenen Bereichen konsequent spezialisiert und bieten überall die neuesten Technologien an", sagt Fischer, der als teamfreudiger Chef die Impulse setzt, aber selbst nicht mehr handwerklich tätig ist.

Vorläufer: Gehschule mit einem beinamputierten AnwenderIn Rolf Rein im Silikonlaborder Beinprothetik, die von Kurt und Thomas Reinhardt geleitet wird, bedeutet dies etwa, dass moderne Schafttechniken und Linerversorgungen auch bei geriatrischen Patienten zum Einsatz kommen. Übungsprothesen werden innerhalb von 48 Stunden fertig gestellt, Testversorgungen mit hochwertigen Passteilen schaffen Vertrauen bei den Kunden.

Durch den regen fachlichen Austausch mit Kliniken und Forschungseinrichtungen ist man immer up to date. So wurde zusammen mit den Ärzten und Physiotherapeuten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen ein neues Konzept zur Rehabilitation von Beinamputierten entwickelt. Brillinger ist an der Entwicklung der "Karlsruher Hand" beteiligt und liefert die eigens für diese innovative Armprothese gefertigte Kosmetikverkleidung aus Silikon. Ein Kunde von Brillinger erhielt dadurch die Möglichkeit, die Hand schon in der Entwicklungsphase auszuprobieren.

Regelmäßig veranstaltet das Unternehmen Informationstage wie zuletzt Anfang Oktober zur Armprothetik. Hier konnten Betroffene und Fachleute nicht nur eine Live-Demonstration der am Forschungszentrum Karlsruhe entwickelten Hand erleben, sondern sich auch über das gesamte Spektrum armprothetischer Versorgungen umfassend informieren. Täuschend echt: Silikon Unterschenkelprothese

"Auch in der Reha-Technik sind wir stark und deshalb in vielen Einrichtungen für Körperbehinderte in ganz Baden-Württemberg vertreten", berichtet Klaus Fischer. Bei Sitzschalenversorgungen für Kinder setzen die Tüftler von Brillinger zum Beispiel eine atmungsaktive Klimamembran ein, wie sie auch für die Bezüge in hochwertigen Autos verwendet wird.

Zertifizierung des Qualitätsmanagements nach DIN EN ISO 13485:2003"Wir pochen auf Leistung und Qualität", sagt Stefan Schreiner, der als Betriebswirtschaftler im siebenköpfigen Geschäftsleitungsteam unter anderem für das Qualitätsmanagement und den Dialog mit den Kostenträgern zuständig ist. Beides gehört für den 41-Jährigen zusammen: "Qualitätsarbeit sollte adäquat honoriert werden, aber dazu muss man sie auch nachweisen können".

Deshalb ist man bei Brillinger stolz auf die regelmäßige Zertifizierung des Qualitätsmanagements nach DIN EN ISO 9000.2000 und DIN EN ISO 13485:2003. Die Fertigung im Rahmen von geregelten und kontrollierten Prozessen ist aber nicht nur für die Kostenträger transparent und vorteilhaft. "Bei uns kann sich auch jeder Kunde darauf verlassen, eine geprüfte und nach den Regeln der Kunst erbrachte Leistung zu erhalten", freut sich Stefan Schreiner.

 

Feinschliff: Jochen Steil legt letzte Hand an einer Silikonprothese anWeil Pia Eissler im Silikonlaborsich der gute Ruf von Brillinger Orthopädie herumgesprochen hat, kommen viele Menschen mit Handicap aus ganz Deutschland, dem europäischen Ausland und sogar aus Übersee nach Tübingen, um sich individuell versorgen zu lassen. Das Unternehmen ist darauf eingestellt, kooperiert mit einem nahe gelegenen Hotel, in dem die Kunden komfortabel untergebracht werden können, und bietet sogar kostenlosen Transfer sowie von Zeit zu Zeit Sightseeing-Touren an.

Zum Magneten für amputierte Anwender ist Brillinger auch durch die Fertigung von ästhetisch perfekten Silikonprothesen geworden. Wahre Kunstwerke liegen auf den Arbeitsflächen in der Silikonwerkstatt: Vorfußprothesen, Finger- und Handprothesen sind mit feinsten Details wie Pigmentierungen, Schattierungen und nachgebildeten Adern versehen. Angezogen wirken die Körperersatzstücke frappierend echt, sodass optisch nahezu kein Unterschied zum angrenzenden Gewebe zu erkennen ist. Erreicht wird dieser Effekt, indem hauchfeine Schichten unterschiedlicher Silikonmischungen übereinander aufs Modell gelegt werden. "Das ist die beste Option", sagt Jochen Steil, Leiter des Silikonlabors bei Brillinger. "Ansonsten werden häufig nur die Oberflächen eingefärbt, aber die Farbe platzt dann bald ab und das Hilfsmittel wird unansehnlich.

Der Orthopädietechniker arbeitet zusammen mit drei gelernten Zahntechnikern in der in der Silikonwerkstatt, in der stets eine konstante Raumtemperatur von 16 Grad Celsius herrschen muss, damit der empfindliche Werkstoff nicht zu schnell aushärtet. Stundenlang sind die Künstler damit beschäftigt, täuschend echte Fingernägel auf die Kuppen zu modellieren. "Unsere lackierbaren Acrylnägel finden natürlich vor allem bei der Damenwelt Anklang", berichtet Jochen Steil.

Luftig und transparent: Blick von der Galerie auf den EingangsbereichÄsthetischen Fragen haben sich auch Klaus Fischer und seine Frau Ingrid, als gelernte Juristin ebenfalls Mitglied in der Geschäftsleitung, verschrieben.

Beide sind Architekturfreaks und haben ihre Vision von einem modernen Gesundheitshaus mit dem Neubau der Firmenzentrale im Ökologisch orientierten Handwerker-Park von Tübingen verwirklichen können.

Auf mehr als 5.000 Quadratmetern entstand hier ein Musterbeispiel funktioneller und transparenter Industriearchitektur, das von einer riesigen Fensterfront und dem dominanten Tonnendach geprägt wird. Der luftige Charakter setzt sich im Gebäude fort.

Beratungsinseln: Kunden in der Reha-AbteilungHier wurden zusammen mit Innenarchitektin Elke Park, die sich auf die Gestaltung von Sanitätshäusern spezialisiert hat, flexible Strukturen geschaffen.

So gehen etwa die Schaufenster fließend in die Verkaufsräume über, für intime Produktbereiche wie Homecare oder Brustprothetik wurden abgeschirmte Beratungsinseln geschaffen, den Wellness-Sektor schmückt eine Galerie mit Meisterwerken der Prothesentechnik, die Dekoration wirkt erfrischend und macht neugierig.

"Durch das modulare Raumkonzept haben wir die Möglichkeit, alle Flächen zu verändern und immer wieder neu zu gestalten", berichtet Elke Park. "Das angestaubte Image des Sanitätshauses früherer Zeiten haben wir damit weit hinter uns gelassen."

Einen ästhetischen Selbstzweck soll das alles natürlich nicht erfüllen. "Wir wollten eine Atmosphäre schaffen, in der sich unsere Kunden, die manchmal mehrere Tage lang im Haus sind, richtig wohl fühlen können", betont Klaus Fischer. Und der Teamplayer fügt hinzu: "Das gilt natürlich auch für unsere Mitarbeiter, denn nur ein zufriedener Mitarbeiter kann die Kunden auch wirklich begeistern."

Den gesamten Bericht (5 Seiten - 765 KB) können Sie sich hier herunterladen 
Sie benötigen den Acrobat Reader (falls noch nicht vorhanden), den Sie hier herunter laden können.


 

Erfahrungsbericht DynamicArm

Quelle: Orthopädie-Technik 4/06

Als Leistungserbringer mit jahrelanger Erfahrung im Bereich der oberen Extremität wurde uns von der Firma Otto Bock die Möglichkeit gegeben, an der nunmehr einjährigen Phase der kontrollierten Markteinführung des DynamicArmes mitzuwirken. Die Teilnahme am ersten DynamicArm-Zertifizierungsseminar war für uns ein besonderer Ansporn, Meinungen und Rückschlüsse aus der Praxis in das Produkt einfließen zu lassen und bisherige Ergebnisse zu reflektieren.

Lieferumfang


Der DynamicArm (Abb. 1) wird als Versorgungspaket geliefert. Im Lieferumfang beinhaltet sind der Ellbogen mit integriertem Akku, die Aufbauhilfe sowie der Eingussring und Kleinteile. Die erforderliche Elektronik ist vollständig im Ellbogenpassteil eingebettet.


Abb. 1 Ansicht des DynamicArms.


Abb. 2 Das Schaftsystem soll unter anderem eine hohe
Bewegungsfreiheit im Schultergelenk gewährleisten.

Technik

Der DynamicArm wird über mehrere Motoren und Sensoren gesteuert, die über den so genannten Axon-Bus miteinander kommunizieren. Die Ansteuerung erfolgt wahlweise über Elektroden, digitale Schalter oder Linear-Steuerungselemente. Letztere arbeiten in demselben variablen Spannungsbereich wie Elektroden. Somit können auch Patienten mit geringem und sogar gänzlich ohne Muskelaktionspotential die Möglichkeiten des DynamicArms nutzen.
Die Vorteile eines elektrisch betriebenen Ellbogengelenkes können jedoch nur durch ein entsprechend gestaltetes Schaftsystem nutzbar werden. Die Forderungen an ein solches Schaftsystem erscheinen banal, sind aber von elementarer Bedeutung (Abb. 2):

Anforderungen an das Schaftsystem:

  • Rotationsstabilität 
  • Minimierung der Stumpf-Schaft-Pseudarthrose
  • Gute Kräfteaufnahme und -verteilung
  • Bewegungsfreiheit im Schultergelenk 
  • Hoher Tragekomfort.

Im Hause Brillinger hat sich bei Armstümpfen die Versorgung mit individuellen Linern als Mittel der Wahl erwiesen (Abb. 3). Auch komplexe Stumpfsituationen lassen sich durch Maßanfertigungen optimal abbilden und einfassen. 

Maßliner erweitern den Bewegungsumfang, weil auf eine Schultereinfassung verzichtet werden kann. Weiterhin kann auf Bandagen, welche die Bewegung der kontralateralen Seite beeinträchtigen, verzichtet werden. 

Durch verschiedene, ausgeklügelte Verschlussmechaniken kann die Aufbauhöhe sehr kurz gehalten werden.



Abb. 3 Zur individuellen Versorgung von Armstümpfen 
steht inzwischen eine Palette von Linern zur Verfügung.

Software

Analog zur Komplexität eines vollelektrischen Ellbogens bietet die Software alle Möglichkeiten, die einzelnen Modi einzustellen und zur Optimierung bzw. individuellen Anpassung zu manipulieren. Eine vorausgehende intensive Schulung in Verbindung mit der Zertifizierung des Technikers bzgl. dieses Systems ist notwendig und unumgänglich. Die Installation sollte durch einen erfahrenen Computer-Spezialisten erfolgen. Besonders dann, wenn auf dem gleichen Gerät noch die C-Leg-Software betrieben wird, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu ärgerlichen Datenbankproblemen. Laut Angaben des Herstellers wurde hier jedoch nachgebessert, der Fehler soll in der aktuellen Version behoben sein.

Praxis

Im Hause Brillinger Orthopädie werden alle gängigen und bewährten Systeme von elektrischen Ellbogen verbaut, dadurch können wir zur Beurteilung aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfen. Mit mehreren ausgelieferten DynamicArm-Systemen und entsprechenden kundenseitigen Rückmeldungen ergab sich bislang das folgende Bild:

Was sofort angenehm auffällt, ist die geringe Aufbauhöhe, die das System zur ersten Wahl für Oberarm-Langstumpfversorgungen werden lässt. Die Umsetzung der Muskelaktionspotenziale erfolgt sehr schnell und sehr präzise. Das Bewegungsbild ist dabei insgesamt harmonisch. 

Weiterhin bemerkenswert ist die geringe Lautstärke im Betrieb, ein Kriterium, dem von Kundenseite hohe Priorität beigemessen wird. Die kosmetische und konstruktive Gestaltung entspricht der des Ergo-Armes. Die Hebekraft des Systems beträgt ca. sechs Kilogramm - unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen ein überaus praxistauglicher Wert.
Dass in Verbindung mit anderen Otto Bock Systemkomponenten keinerlei Probleme auftraten, versteht sich von selbst.

Das erste Jahr im Praxistest zeigte Licht und Schatten, speziell das System mit der "Seriennummer 1" entsprach nicht den Erwartungen. Probleme mit der Elektronik, mit der Ansteuerung oder diffuse, allgemeine Schwierigkeiten traten häufiger auf, was letztendlich zum Austausch des kompletten Systems führte. Zur Ehrenrettung sei jedoch gesagt, dass die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Herstellers diesbezüglich erhebliche Anstrengungen unternommen hat, um die Fehlerquellen zu eliminieren und Praxisrückmeldungen erfreulich schnell den Weg in das Produkt gefunden haben. Im weiteren Verlauf der Auslieferungen waren somit nachhaltige Verbesserungen erkennbar. Derzeit funktionieren alle ausgelieferten Systeme seit nunmehr längerer Zeit störungsfrei und zuverlässig.

Einen Grund zur Kritik gibt noch die derzeitige Positionierung des Ein-/Aus-Schalters, der ein Betätigen in maximaler Beugung nicht zulässt. Dieses Problem ist dem Hersteller bekannt. An einer Lösung wird gearbeitet.

Im Laufe der späteren Serienreife sollte der Hersteller die Bereitstellung von Servicegelenken erwägen. Zum einen wird es für einen Prothesenträger ein großer Verlust sein, auf seinen Ellbogen im Service- oder Reparaturfall verzichten zu müssen. Zum anderen könnte bei Neuversorgungen dem Kostenträger zeitnah und objektiv die Eignung für ein solches System nachgewiesen werden. 


Abb. 4 Mit dem DynamicArm versorgter Patient 
bei ergotherapeutschen Übungen

Als bundesdeutsches Novum wird bei Brillinger die Verbindung von Therapie und Technik praktiziert. Durch die eigene Ergotherapiezulassung im Hause und die enge Verzahnung der Fachabteilungen wird bereits im Rahmen der Probeversorgung das komplexe Produkt Armprothese durch einen ausgebildeten und erfahrenen Ergotherapeuten intensiv geübt (Abb. 4). Bevor der Patient mit der Probeprothese die Firma verlässt, werden bereits die ersten Einheiten Ergotherapie durchgeführt. Dies gewährleistet, dass eventuell erforderliche Änderungen sowohl am Schaftsystem als auch in der Software- bzw. der Elektrodenabstimmung durchgeführt werden können, um die Gegebenheiten des persönlichen Umfeldes adäquat zu würdigen. Die Resultate münden in eine erfolgreiche Anpassung der Prothese an die Wünsche und Vorstellungen des Prothesenträgers. Die Chance, dass eine solche Prothese tatsächlich getragen wird und nicht im Schrank landet, steigt dadurch exponentiell.

Support

Der Support befindet sich auf dem anerkannt hohen Otto-Bock Niveau. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein Produkt in der Phase der kontrollierten Markteinführung handelt, laufen sämtliche Kontakte derzeit über das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Wien. Bei allen Anfragen waren kompetente Ansprechpartner vor Ort. Die Problemlösung erfolgte in der Regel zügig. Die speziell in der Anfangszeit notwendigen Austauschsysteme trafen jederzeit termingerecht ein.

Fazit

Bei Weiterführung des bisherigen Entwicklungsaufwandes ist der DynamicArm auf dem besten Weg, die Zuverlässigkeit eines C-Leg zu erreichen. Momentan liegt das Konkurrenzprodukt aus den Vereinigten Staaten diesbezüglich noch leicht in Führung. Wenn zudem noch die Lieferzeit bei Neubestellungen verkürzt wird, steht einem Erfolg im Markt wohl nichts mehr im Weg.

Für die Autoren: Stefan Schreiner -  Brillinger GmbH & Co. KG


 

 

Handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen

Unterschiedliche orthopädische Hilfsmittel werden von Orthopädietechnikern und Bandagisten gefertigt und angepasst

Quelle: Schwäbisches Tagblatt, Sonderbeilage vom 15.02.2006

Nadine Bendix (22, Abb. rechts) ist Gesellin im Berufszweig Orthopädietechniker und Bandagist, Sandra Kundlatsch (20, Abb. unten links) Auszubildende im vierten Lehrjahr - beide bei der Tübinger Firma Brillinger, Orthopädie- und Rehatechnik.

Nadine Bendix und Sandra Kundlatsch kamen beide über persönliche Erfahrungen zu ihrem Ausbildungsberuf: Nadine durch ihre eigenen Erfahrungen als Skoliose-Patientin, Sandra durch ihre Oma, die ebenfalls Orthopädiepatientin ist. 

Nadine wie auch Sandra absolvierten jeweils ein Praktikum, bevor sie sich erfolgreich um einen Ausbildungsplatz bei der Firma Brillinger bewarben. 

Orthopädietechniker und Bandagisten fertigen, warten und reparieren unterschiedliche orthopädische Hilfsmittel: von Schuheinlagen für Problemfüße über Stützkorsetts bis hin zu Orthesen und Prothesen - alles individuell auf den Patienten angepasst.

Nadine Bendix beschleift ein Oberschenkel-Modell
Nadine Bendix beschleift ein Oberschenkel-Modell


Zu Beginn der Ausbildung stand die Vermittlung von Grundkenntnissen in der Anatomie, der Metallbearbeitung sowie das Nähen von Hand und mit der Maschine. Im Lauf der Zeit übernahmen beide zunächst Kleinarbeiten und mit zunehmender Erfahrung auch selbständige Auftragsarbeiten für Kunden.

"Man sollte viel handwerkliches Geschick mitbringen und mit Menschen umgehen können", meint Nadine. "Der Kontakt mit Patienten zum einen und der Einsatz der unterschiedlichsten Materialien zum anderen macht die Aufgabe sehr abwechslungsreich", fügt Sandra hinzu.

Was beiden gefällt, ist das gute Arbeitsklima: "Wir sind ein recht junges Team. Und wir finden immer einen Ansprechpartner - auch bei der Geschäftsleitung: Wir dürfen jederzeit anklopfen". Nadine und Sandra sind sich einig, dass sie mit ihrer Ausbildung die richtige Entscheidung getroffen haben. Auch wenn in diesem Ausbildungsberuf die Männer überwiegen - er ist ebenso für Frauen geeignet. "Viele Patientinnen legen Wert darauf, von einer Frau betreut zu werden: beispielsweise bei der Anpassung eines Stützmieders. 

Sandra Kundlatsch und Ausbildungsmeister Thomas Reinhardt an einem Gipsmodell
Sandra Kundlatsch und Ausbildungsmeister Thomas Reinhardt an einem Gipsmodell

Auch für muslimische Patientinnen ist es von großer Bedeutung", betont Nadine. Mit kranken oder behinderten Menschen umzugehen, erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen. 

Die Patienten sind oft auf einem persönlichen Tiefpunkt - beispielsweise nach einer Amputation. Nadine und Sandra sind sich des Stellenwertes ihrer Aufgabe bewusst: "Wir können diesen Menschen helfen, ihre Mobilität zurückzugewinnen." Dennoch: "Wir erleben viele traurige Geschichten, da ist es wichtig, in der Freizeit einen Ausgleich zu schaffen." 

Die Perspektiven für Orthopädietechniker und Bandagisten sind gut. Da es Kranke und Hilfsbedürftige immer geben wird, werden auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte gebraucht. 

Auch bei Brillinger: "Die Stärke unseres Hauses sind kompetente Mitarbeiter. Die Herstellung von orthopädischen Hilfsmitteln ist kompliziert und erfordert technische sowie handwerkliche Fähigkeiten, medizinische Kenntnisse und Einfühlungsvermögen. Wir bilden laufend aus, um immer qualifizierten Nachwuchs zu bekommen", erklärt Ingrid Fischer von der Brillinger-Geschäftsleitung."


 

 

Wirksamkeit einer 10-wöchigen Trainingsintervention mit dem MBT bei Patienten mit Hüfterkrankung 

Eine Untersuchung am Universitätsklinikum Tübingen. Lesen Sie hier einen kurzen Auszug.

Den gesamten Bericht (15 Seiten) können Sie sich hier herunterladen 
Sie benötigen den Acrobat Reader (falls noch nicht vorhanden), den Sie hier herunter laden können.

Inga Krauss; Annette Bendig; Prof. Dr. med. T. Horstmann 

Immer mehr Menschen leiden an degenerativen Gelenkerkrankungen wie beispielsweise Arthrose am Hüftgelenk. Durch die Beschwerdesymptomatik kommt es zu einer eingeschränkten Beweglichkeit, zu Schwierigkeiten mit der Stand- und Gangsicherheit und zu einer Verminderung der Lebensqualität nicht zuletzt aufgrund der auftretenden Schmerzen. Zahlreiche Therapieangebote sollen die Beschwerden lindern und einen künstlichen Gelenkersatz hinauszögern. Aber auch der bereits operierte Patient muss mit den oben genannten Schwierigkeiten zurecht kommen. Der MBT verspricht Linderungen in vielen der genannten Bereiche. Inwiefern er diesem Anspruch tatsächlich gerecht wird, sollte in einer Untersuchung an der Sportmedizin Tübingen näher unter die Lupe genommen werden. Verschiedene Tests zur Beweglichkeit, Koordinationsfähigkeit und Kraftausdauer sowie Fragebögen zur Erfassung der Schmerzen und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sollten diese Fragestellung beantworten. 

Masai Barfuss Technologie (MBT) Die Masai Barfuss Technologie hat sich das kenianische Naturvolk der Massai zum Vorbild gemacht. Diese laufen aufrecht, federnd, mit kleinen Schritten und barfuß – durch Feld, Wald und Flur. Durch dieses aktive Gehen wird die Muskulatur trainiert. Dadurch wird der Bewegungsapparat gekräftigt und die Gelenke geschont. Der MBT soll dieses natürliche Gehen auch in einer Umgebung möglich machen, die durch ebene und harte Untergründe gekennzeichnet ist. Die europäische Bevölkerung leidet zunehmend an Bewegungsmangel, die zu verrichtende Arbeit ist häufig durch einseitige Belastungen gekennzeichnet, wie beispielsweise Sitzen oder langes Stehen mit monotonen Bewegungsabläufen. Die Muskulatur verkümmert, die Haltung verschlechtert sich und degenerative Gelenkerkrankungen sind häufig die Folge. Der MBT soll hier Abhilfe schaffen. Durch seine besondere Sohlenkonstruktion suggeriert er dem Träger einen unebenen Untergrund, der ein aktives Gehen erforderlich macht. Der MBT enthält keinerlei Führungselemente, dafür jedoch ein weiches Fersenkissen und eine Anrollkante, über die der Träger abrollen soll. Die Fußmuskulatur muss diese Instabilität aktiv ausgleichen. Das Gehen mit dem MBT ist mit einem Haltungskonzept verbunden. Neben einer sehr aufrechten Körperhaltung beim Gehen soll auf einen Stemm- und Fallschritt verzichtet werden. Viele Menschen machen beim Laufen sehr große Schritte und fangen diese beim Fersenaufsatz nicht aktiv auf. Beim Gehen mit dem MBT soll der Schritt aktiv nahe am Körperschwerpunkt aufgesetzt werden. Anschließend wird der Schritt weit nach hinten gezogen, dadurch soll die Hüftstreckung betont werden. Das Gehen mit dem MBT muss erlernt werden, häufig ist eine Umstellung des herkömmlichen Gangbilds notwendig. Hierfür bietet die Herstellerfirma Einführungsveranstaltungen und Fortbildungsprogramme an, bei denen man den Umgang mit dem MBT erlernen kann. Das Tragen des MBT soll laut Hersteller viele positive Folgen haben. So wirbt die Firma mit dem Slogan: Mit jedem Schritt fitter, gesünder, schöner, schneller, stärker… Die Gelenke sollen entlastet werden, die Schmerzen gelindert, die Haltung verbessert und die Muskulatur gekräftigt werden. 

Zielsetzung der Studie Die vom Hersteller genannten Vorteile des MBT sollten im Rahmen einer Untersuchung an der Med. Klinik und Poliklinik, Abteilung Sportmedizin, überprüft werden. Anlass hierzu waren positive Berichte von Patienten, die an einer Hüftarthrose erkrankt waren. Ziel der Untersuchung war es, die Wirkung einer 10-wöchigen Trainingsintervention mit dem MBT in Hinblick auf Schmerzen, Lebensqualität, Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit zu überprüfen. 

Studiendesign

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Im Rahmen einer Eingangsuntersuchung wurden die Probanden zunächst über das Studienvorhaben informiert und konnten in diesem Zusammenhang ihr schriftliches Einverständnis zur Teilnahme geben. Im Anschluss folgten eine Anamnese und eine klinische Untersuchung, bei der neben einem Ruheechokardiogramm auch eine Belastungsergometrie auf dem Laufband durchgeführt wurde. Hierbei mussten die Teilnehmer bei einer Geschwindigkeit von 5 km/h jeweils drei Minuten gehen, die Steigung des Laufbandes wurde stufenweise um 2,5 % erhöht. Der Belastungsabbruch erfolgte, sobald der Proband subjektiv ausbelastet war bzw. Unwohlsein oder Schmerzen auftraten. Während der Belastung wurde ein EKG aufgezeichnet. Da im Rahmen des MBT-Trainings auch ausdauerorientiertes Geh- und Lauftraining durchgeführt werden sollte, wurde eine hinreichende Belastungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems als Einschlusskriterium festgelegt. Bei vorliegenden Auffälligkeiten wurden die Teilnehmer ausgeschlossen und die Empfehlung für eine internistische Untersuchung ausgesprochen. Am Messtag eins wurden Tests zur Überprüfung des statischen und dynamischen Gleichgewichts, der Gangsicherheit, der Beweglichkeit und der Kraftausdauer durchgeführt. Darüber hinaus sollten die Probanden einen Schmerzfragebogen (in Anlehnung an Merle d` Aubigne) und einen Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF36) ausfüllen. Anschließend wurden die Teilnehmer randomisiert einer Gruppe zugeteilt. Während die Trainingsgruppe in den folgenden 10 Wochen einmal wöchentlich am MBT-Training teilnehmen und während dieser Zeit den MBT auch zuhause tragen sollte, wurde bei der Kontrollgruppe keinerlei Intervention vorgenommen. Schmerzen und Training wurden mit Hilfe eines Tagebuches während dieser Zeit täglich von den Probanden dokumentiert. 

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Zusammenfassung 

Während es in der vorliegenden Untersuchung durch eine 10-wöchige Trainingsintervention zu keiner Verbesserung der Kraft, Beweglichkeit und der Gehgeschwindigkeit kam, konnten vor allem im Bereich der koordinativen Fähigkeiten Fortschritte erzielt werden. Darüber hinaus reduzierten sich die Schmerzen in der Trainingsgruppe in allen Lebensberei-chen, die gesundheitsbezogene Lebensqualität konnte zudem deutlich verbessert werden. Der MBT scheint bei zielgerichtetem Gebrauch in der Lage zu sein, Patienten mit Arthrose am Hüftgelenk bzw. bereits implantiertem Gelenkersatz bei der Therapie zu unterstützen. Dies bezieht sich vor allem auf die koordinativen Fähigkeiten, die Reduktion der Schmerzen und die Verbesserung der Lebensqualität. 

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Zweiter Bundessieger 2004

Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung

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An den bundesweiten Endausscheidungen des Praktischen Leistungsnachweises (PLW) 2004 - den Deutschen Meisterschaften junger Gesellen/innen - haben sich 842 Landessieger in ihrem fachlichen Können gemessen. In 132 Wettbewerbsberufen fanden die Ausscheidungen statt. Insgesamt haben 266 junge Handwerker einen der begehrten Plätze in den drei Siegerkategorien erreicht. Insgesamt beteiligten sich mehrere Tausend Handwerker/innen bis 23 Jahre auf Kammerebene, Landesebene und Bundesebene am PLW 2004. Träger des Wettbewerbs sind der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und die Stiftung für Begabtenförderung im Handwerk.

Christian Tausch erreichte als Orthopädieschuhmacher einen zweiten Platz in der Bundeswertung und Platz 9 in der Gesamtwertung. Herzlichen Glückwunsch


 

Venenkompetenz-Zentrum in Reutlingen-Betzingen

Reutlinger Nachrichten 14.02.2004 

Brillinger-Orthopädie ist seit über einem Jahrzehnt mit seinem Reha-Vital-Zentrum am bewährten Standort Reutlingen-Betzingen vertreten. Im Herbst letzten Jahres wurden die Verkaufs- und Beratungsräume renoviert und neu gestaltet. In angenehmer Atmosphäre werden alle Hilfs- und Pflegemittel übersichtlich präsentiert. Zum Sortiment gehören neben einer großen Auswahl von Rollstühlen auch Rollatoren und Gehilfen, Pflegebetten, druckentlastende Matratzen, Inkontinenz-Artikel und viele andere Hilfsmittel, die die Pflege zu Hause oder im Heim erleichtern und für den Patienten von Nutzen sind, können hier in Ruhe ausgesucht werden. 

Badewannen-Lifter oder -Sitze, Toilettenstühle, Toilettensitzerhöhung, Duschhocker und andere Badehilfen ergänzen die über 400 Quadratmeter Hilfsmittel-Ausstellung. Im Mittelpunkt steht der Mensch und die für ihn sinnvolle Versorgung  mit den entsprechenden Hilfsmittel zur Erhaltung seiner Mobilität und Unabhängigkeit. 

Um Kosten im Gesundheitswesen einzusparen, werden viele Hilfsmittel, nachdem sie unter strengsten hygienischen Kriterien gereinigt und gewartet worden sind, wieder eingesetzt. Diese Arbeiten sowie Reparaturen oder Maßanfertigen werden alle vor Ort in der 800 Quadratmeter großen Werkstatt durchgeführt. Aufgrund der großen Lagerkapazität stehen die erforderlichen Hilfsmittel zur Verfügung und können schnell ausgeliefert werden. 

Mit der Renovierung kam ein modernes, bereits zertifiziertes Venenkompetenz-Zentrum nach Reutlingen. Hier werden nach Absprache mit dem Arzt Kompressionsstrümpfe angemessen. Ebenso werden Spezialversorgungen bei Lymphödem kompetent ausgeführt. Auch das Anlegen einer geeigneten Bandage nach einem Sportunfall ist hier kein Problem. Hinzugekommen ist noch die Betreuung nach Brustoperation. Diskret und einfühlsam berät und versorgt eine erfahrene Mitarbeiterin. Darüber hinaus werden Fußabdrücke für Einlagen, die im Tübinger Stammhaus gefertigt werden, hier in Reutlingen genommen. 

Insgesamt stehen der Bereichsleiterin Tanja Kutzner 15 kompetente Mitarbeiter/innen zur Seite: qualifizierte Fachberater/innen und Reha-Techniker.

Der enge Kontakt und Erfahrungsaustausch mit dem Stammhaus Brillinger-Orthopädie in Tübingen, das vom Inhaber Klaus Fischer und seiner Frau Ingrid geführt wird, ist für die Patienten von großem Interesse. Insgesamt sind im Unternehmen 132 Mitarbeiter/innen beschäftigt. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kliniken und Reha-Einrichtungen, mit Ärzten und Therapeuten gewährleistet eine gute Versorgung und Betreuung der Patienten.


 

 

Silikontechnik

Die Prothese beginnt schon beim Fingernagel

Die Orthopädie-Techniker des Sanitätshauses Brillinger arbeiten mit Carbonfasern, Silikon und High-Tech-Gelenken
Quelle: Tübingen (wog) Schwäbisches Tagblatt vom 10. Juli 2003

Längst vorbei die Zeiten, als Prothesen klumpige Gebilde aus Leder, Stahl und Holz waren. Künstliche Hände und Füße aus den Werkstätten des Tübinger Sanitätshauses Brillinger sehen heute fast genau so aus wie die echten. Fitzelig ist dabei die Arbeit der Silikontechniker. 50 Arbeitsstunden für eine Hand - vom Fingernagel bis zur täuschend echten Behaarung - sind da keine Seltenheit. "Man muss darauf achten, dass es den Patienten nicht zu kalt ist", sagt Jochen Steil. Denn sonst wird deren Haut grünblau. Verheerend, wenn man die Farbabstimmung macht. Kalt könnte einem aber schon werden in der Silikonwerkstatt bei Brillinger. 

Fast schon kühle 16 Grad hat es da, weil sonst das Material zu vulkanisieren beginnt. Und doch tragen Jochen Steil und Rolf Rein zwischen vier und zehn Silikonfarbschichten auf eine Prothese auf, um den richtigen Hautton des Kunden zu treffen. Eigentlich sind sie ja gelernte Zahntechniker. Eine Arbeit, die "viel Fitzeln erfordert", so Steil. Und fitzeln müssen sie auch jetzt. 

"Allein für die Fingernägel sind zehn Stunden weg", sagt Steil. Für die notwendige Tiefenwirkung muss Schicht auf Schicht gepackt werden. Bis der Acryllack draufkommt. Und der kann sogar lackiert werden: "Für die Damen ein wichtiger Punkt." Hier ist das Künstlerische gefragt. Bei Prothesen geht es aber vor allem um den Tragekomfort und die Funktionalität. Das Schwierigste an seinem Job sei immer noch, bei einer Bein- und Fußprothese die adäquate Passform hinzukriegen.

Innovation aus den USA

Orthopädie-Technik, das ist bei dem Tübinger Sanitätshaus Brillinger mit seiner hundertjährigen Firmengeschichte heute die tragende Säule im Geschäftsaufkommen neben Reha- und Schuhtechnik, Sanitätsbedarf und Fitness-Utensilien. An die 400 Bein- und fast eben so viele Hand-Prothesen sowie -Orthesen im Jahr werden seit 1998 im Handwerkerpark hergestellt. Seit Klaus Fischer Ende der Siebziger die Geschäftsleitung übernommen hat, gab es einen gewaltigen Innovationsschub. Aus den USA hat Fischer von 1984 an neue Materialien aus der Luft- und Raumfahrt importiert. Silikon ("einer der sensationellsten Werkstoffen"), biomechanisch ausgereifte Gelenke und Hochleistungsfaser-Verbundstoffe, von denen damals die hiesigen Orthopädietechniker bloß träumen konnten. "Handwerklich gut aber konservativ", lautet Fischers Urteil über den Stand seines Gewerbes vor 20 Jahren. 
Heute dagegen gibt es Hilfsmittel wie die myoelektrische, mikroprozessorgesteuerte Hand, die über Elektroden von der Restmuskulatur Signale im Bereich von Millionstel Bruchteilen eines Volts empfängt und sich so steuern lässt. Oder das "C-Leg", ein computergesteuertes Bein "für den aktiven Läufer". Mit 20.000 Euro zwar nicht ganz billig, aber dafür ein fast vollkommener Beinersatz, für den freilich nicht jeder in Frage kommt. Es wäre sicher unvernünftig, einem 90-jährigen, der nur noch in der Wohnung herum läuft, ein computergesteuertes Bein zu verordnen", sagt Fischer. Hilfsmittelberater von den Krankenkassen stufen deshalb den jeweiligen Bedarf ein.
Von den insgesamt 130 Angestellten sind bei Brillinger allein fünf Techniker für die Spezialanfertigung von Armprothesen zuständig. "Wir bekommen bundesweit Patienten zugewiesen", so Fischer. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Tübinger Kliniken - zwei Mitarbeiter sind immer vor Ort - werden Patienten schon früh individuell beraten, mit Test-Hilfsmitteln zwischenzeitlich versorgt und ergotherapeutisch behandelt. Denn auch wenn die Einzelteile aus aller Welt kommen: Entscheidend ist, was der Techniker daraus macht", findet Fischer.
Wenn klinisch amputiert werden muss, dann in 80 Prozent der Fälle an den unteren Extremitäten, sprich den Beinen. Schuld daran ist in zwei Drittel aller Fälle Diabetes. Eine Zivilisationskrankheit, die auch den so genannten diabetischen Fuß mitverschuldet. Bei Brillinger begegnet man diesem Phänomen seit viereinhalb Jahren mit einer zehn Mann starken Abteilung für orthopädische Schuhtechnik. Auf der Grundlage elektronischer Druckmessungen werden Schuhe zugerichtet - und vor allem auch nachgebessert. Denn, so Fischer:" Der diabetische Fuß verändert sich." Und ist deshalb eine besondere Herausforderung.

Krücken auf Lager

Was aber passiert mit den Hilfsmitteln, die nur zeitweise gebraucht werden? Rollstühle, Krücken, Krankenbetten? Bei Brillinger ist ein ganzer Lagerraum voll damit. Aufbereitet warten diese darauf, nachgefragt und zum Beispiel nach Hamburg gebracht zu werden. Denn Brillinger hat bundesweit Verträge mit fast allen Krankenkassen. In einem zentralen Datensystem gespeichert, können die Hilfsmittel angefordert werden.. "Kostendämpfung hat natürlich Priorität", sagt Klaus Fischer. 

Prothese - Orthese

Prothesen sind orthopädische Hilfsmittel die menschliche Glieder vollständig ersetzen. Orthesen dagegen sind Hilfsmittel, die die Funktion von Muskeln und Bändern unterstützen, Gelenke führen, stabilisieren und korrigierend wirken.


 

 

Venenleiden sind allgegenwärtig

MTD 9/2003 Seite25 ff. (www.mtd.de)
"Bonner Venenstudie" 2003

Mit der "Bonner Venenstudie" hat die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie ermittelt, wie weit chronische Venenleiden in der erwachsenen deutschen Durchschnittsbevölkerung verbreitet sind. 

Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Neun von zehn Erwachsenen haben Veränderungen an ihrem Venensystem - angefangen bei leichten Veränderungen wie etwa Besenreisern bis hin zum schwersten Stadium der chronischen Venenerkrankung, dem Unterschenkelgeschwür Ulcus cruris. Finanziert wurde die Studie mit Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung und der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Zu den weiteren Unterstützern zählen die Eurocom, der europäische Verband für Kompressionstherapie, und der Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik.

Aus älteren wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Venenleiden zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten in der deutschen Bevölkerung zählen - zuletzt ist das in einer unter dem Namen "Tübinger Studie" veröffentlichten Untersuchung aus dem Jahr 1979 belegt. 


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Venenleiden bei 30 Prozent der Jugendlichen

MTD 9/2003 Seite 28 ff. (www.mtd.de)

Die Anzahl der Jugendlichen, die Veränderungen an den Beinvenen aufweisen, hat in den letzten Jahren zugenommen. 

Zurzeit geht man davon aus, dass 30 Prozent der Jugendlichen davon betroffen sind. In vielen Fällen äußert sich das beginnende Krampfaderleiden durch die Ausbildung von Besenreiserästchen (feinste Erweiterungen der Haargefäße in der Haut). Diese stellen somit bei Jugendlichen nicht nur eine ästhetische Störung dar, sondern können auf später drohende Krampfaderleiden hinweisen.

Als Ursache für die vermehrt auftretenden Venenleiden bei Jugendlichen kann man die ungünstige Lebensform ansehen mit zunehmendem Bewegungsmangel und vermehrtem Sitzen vor dem Computer bzw. Fernseher. Da den Krampfadern in der Regel eine Bindegewebsschwäche - zum Teil vererbt - als tiefer liegende Ursache zu Grunde liegt, müssen diese Jugendlichen damit rechnen, dass das Venenleiden zunehmen wird und dass sie evtl. zeit ihres Lebens damit zu tun haben werden. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnostik und eine sehr früh einsetzende Beratung und ggf. Behandlung von großer Bedeutung. Die Untersuchungs- und Behandlungstechniken sollten dabei bei Jugendlichen einige Besonderheiten beinhalten.

Minimal-invasive Diagnostik

Es sollten nur minimal-invasive, d.h. völlig ungefährliche und nicht belastende Methoden zum Einsatz kommen. Zu nennen sind hier Ultraschalluntersuchungen in Form der Doppler- bzw. Farbduplextechnik, die Lichtreflexionrheografie (eine optoelektronische Methode), ggf. ergänzt durch die Venenverschluß-Plethysmografie (Blutvolumenmessung in den Beinen). Durch all diese nicht belastenden und nicht schmerzenden sowie völlig risikolosen Untersuchungen  kann man auch im Frühstadium die Situation eines erkrankten Venensystems sicher abklären. 

Bewegung ist Trumpf

Die Beratung bzgl. der Lebensführung als auch besonders der Berufswahl spielen eine eminent große Rolle. Venengünstige Lebensumstände sollten gefördert und venenschädliche gemieden werden. Zu den venengünstigen Maßnahmen sind zu rechnen:

  • viel Bewegung, insbesondere Ausdauerbewegungen
  • Power-Walking
  • Joggen
  • Fahrradfahren
  • Heimtrainer
  • Stepper
  • Schwimmen
  • Skilanglauf
  • entsprechende Geräte etc.

3 S-/3 L-Regel

Schlecht sind Sitzen und Stehen. Lieber laufen und liegen. Es heißt also: Überflüssigen langes Sitzen und Stehen sollten vermieden werden. Weitere vorbeugende bzw. therapeutische Maßnahmen sind:

  • Kneipp'sche Anwendungen in Form von kalten Duschen
  • frühzeitige Beachtung des Gewichtes mit Vermeidung von Gewichtszunahme besonders an den Beinen
  • regelmäßiger weicher Stuhlgang mit Vermeiden von Pressen
  • kontinuierliche Maßnahmen zur Straffung des Bindegewebes durch entsprechende Bewegungs- und Fitness-Übungen, evtl. auch im Fitness-Studio

A-D Strümpfe tragen

Bei Beinbeschwerden in Form von Schwellungen, Spannungsgefühl, Schmerzen sollten ggf. Kompressionsstrümpfe verordnet werden. In der Regel reichen Strümpfe vom Vorfuß bis zum Knie (A-D, Kompressionsklasse II). Diese Strümpfe brauchen nicht den ganzen Tag, sondern nur stundenweise getragen zu werden, bei Phasen langen Sitzens (in der Schule) oder bei langem Stehen.

Operation / Verödung

Falls Krampfadern behandelt werden müssen, so sollten auch hier minimal-invasive d.h. absolut ungefährliche und risikolose bzw. im höchsten Maße risikoarme Techniken zum Einsatz kommen:

  • Minichirurgische Phlebektomie:
    Hier werden bei Krampfadern nach Anlegen eines 2-3 mm großen Hautstiches entfernt. Es handelt sich um ein sog. schnittfreies Verfahren, welches im Idealfall ohne sichtbare Narbe verheilt.
  • Isolierte Crossektomie ohne Stripping:
    Verschluss eines ursächlichen Venenklappendefektes in der Leiste bzw. Kniekehle, wobei möglichst die Stammvene erhalten werden sollte und nur Astkrampfadern entfernt werden. Eine Stammvene ist ein potentiell kostbares Organ und wird ggf. bei einer später erforderlichen Bypass-Operation benötigt.
  • Verödung / Lasern:
    Gezielte Verödungsbehandlung mittelgroßer Krampfadern. Hierdurch kommt es zu einem Verkleben der Krampfadern, so dass sie nicht mehr nachweisbar sind. Manchmal kann aber ein harter kleiner Strang zurückbleiben. Feinverödung von Besenreiserkrampfäderchen mit ggf. Laser-Therapie der allerfeinsten Pinselfiguren.
  • Nicht belastende Nachbehandlung mit Reduzierung der Zeit, in der Kompressionsstrümpfe getragen werden müssen
  • Frühzeitige Wiederaufnahme des normalen Alltagslebens (Schule, Freizeit)

Frühzeitig aufklären

Ganz entscheidend ist die frühzeitige Aufklärung der jungen Patienten über den chronischen Charakter ihres Leiden. Die Jugendlichen müssen wissen, dass sie durch eine kontinuierliche venenbewusste Lebensführung sowie durch eine kluge Berufswahl eine Voranschreiten des Krankheitsleidens lange Zeit verzögern, bzw. dass sie nach einem erfolgten Eingriff durch solche Maßnahmen eine wesentliche Rezidivprophylaxe (Prophylaxe gegen das erneute Auftreten von Krampfadern)  vornehmen können. 

Falls operative Maßnahmen unumgänglich sind, so sollten diese mit größtmöglicher Sicherheit und Risikolosigkeit vorgenommen werden. Es wäre fatal, wenn bei einem jungen Patienten eine Komplikation eintreten würde, die dann zu einem evtl. lebenslangen Dauerschaden führt. Die Auswahl eines routinierten und erfahrenen Phlebologen bzw. phlebologisch orientierten Chirurgen ist somit von überragender Bedeutung. 


 

Bandagen sind Alleskönner

MTD 3/2003  (www.mtd.de)


Tina (19) erinnert sich noch gut. Mit ihrer Freundin Susi wanderte sie Anfang August entlang des Bodensees. 
Gut gelaunt und bester Dinge ging es über Stock und Stein. Ein Plausch hier, ein nettes Foto da, einmal kurz nicht aufgepasst, und schon war sie mit dem linken Fuß ungeknickt. Beim Auftreten quälten Tina fortan starke Schmerzen, schon kurze Zeit später war der Knöchel dick geschwollen. Statt romantischer Beach-Partys am Nachmittag stand erst mal ein Arztbesuch auf dem Programm.

Bandagen lindern Schmerzen

Der Arzt verschrieb ihr sofort eine Bandage. Und das aus gutem Grunde, bieten sie Betroffenen gerade bei leichten Verletzungen wie Verstauchungen, Zerrungen oder Prellungen viele Vorteile. 

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Schön fürs Auge, gesund fürs Bein

MTD 3/2003  (www.mtd.de) Bild: www.compressana.de


Petra (26) steht als Fachverkäuferin jeden Tag mehrere Stunden in der Boutique, 


Janina (32) sitzt den ganzen Tag über im Büro am PC, Markus (43) ist beruflich bedingt viel mit der Bahn oder dem Flugzeug unterwegs. Drei Menschen, das gleiche Problem: 

Ihre Beine fühlen sich abends schwer und müde an, manchmal sind sogar die Knöchel geschwollen. Alles Warnsignale, die auf Blutstau in den Beinen infolge überlasteten Venen hindeuten. 


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Prothese gegen Phantomschmerz

23.08.01 (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Steuerung über Muskeln / Keine Umstrukturierung im Gehirn

Nach Amputationen kommt es oft zu dem merkwürdigen Phänomen, dass die nicht mehr vorhandenen Gliedmaßen zu schmerzen scheinen. Viele Patienten empfinden diesen Phantomschmerz als außerordentlich belastend. Vor einigen Jahren hat man erste Hinweise darauf gefunden, dass sich die Beschwerden durch den intensiven Gebrauch einer myoelektrischen Prothese dauerhaft verringern lassen. Wissenschaftler aus Tübingen und Berlin haben diesen Zusammenhang jetzt bestätigt und dabei auch Einblicke in die im Gehirn ablaufenden Mechanismen gewonnen.

Infolge einer Amputation können erhebliche Veränderungen in den motorischen und sensorischen Feldern des Gehirns auftreten. Von den amputierten Gliedmaßen treffen keine Signale mehr ein. Das zuständige Hirngebiet liegt brach. Daher können sich benachbarte Areale dorthin ausdehnen. Das dürfte den Phantomschmerz begünstigen. Darauf weisen Untersuchungen hin, die Herta Flor von der Humboldt-Universität Berlin schon vor einigen Jahren vorgenommen hat.

In die jüngste Studie wurden 14 Patienten einbezogen, denen mehrere Jahre zuvor eine Hand amputiert worden war. Es ließen sich 2 Gruppen unterscheiden. Die erste umfasste Patienten, die eine myoelektrische Kunsthand mindestens 8 Stunden am Tag getragen und intensiv genutzt hatten. Die anderen Patienten hatten sich weniger mit der Prothese anfreunden können oder besaßen überhaupt keine. Wie Martin Lotze von der Universität Tübingen und die anderen Forscher berichteten, litten nur die Patienten der zweiten Gruppe an Phantomschmerzen. Myoelektrische Prothesen werden über Muskeln gesteuert, die am Stumpf verblieben sind. Elektroden auf der Haut nehmen die vom aktivierten Muskel ausgehenden Signale auf. Diese werden verstärkt und an einen Elektromotor weitergeleitet, der die Prothese bewegt.

Da der häufige Gebrauch solcher künstlichen Extremitäten offenbar dem Phantomschmerz entgegenwirkt, wollten die Forscher herausfinden, ob sich ein Zusammenhang mit der Aktivität verschiedener Hirnareale erkennen läßt. Die Aktivität jenes Bereiches, der für die amputierte Hand zuständig war, kann nicht direkt erfasst werden. Daher untersuchten die Forscher ein benachbartes Hirngebiet. Dieses repräsentiert die Lippe. Weil das für die Hand zuständige Gebiet nicht mehr beansprucht wird, sollte sich das die Lippe repräsentierende Areal dorthin ausbreiten können.

Die Patienten wurden gebeten, Ihre Lippen zu bewegen. Mit der funktionellen Kernspintomographie, die Bilder von der Tätigkeit des Gehirns liefert, registrierten die Wissenschaftler dann die Aktivitätsverteilung in der Hirnrinde. Tatsächlich beobachteten sie bei den Patienten, die ihre Prothese nur selten verwendet hatten oder gar keine besaßen, dass sich das Lippen-Areal in das ehemals die Hand repräsentierende Gebiet hinein ausgedehnt hatte. Die anderen Versuchsteilnehmer hingegen wiesen diese Veränderung nicht auf („Nature Neuroscience“, Bd. 2, S. 501). Infolge des häufigen Gebrauchs der Prothese hatte bei Ihnen das für die Hand zuständige Areal seinen angestammten Platz behaupten oder zurückerobern können. Weil die Zuständigkeiten im Gehirn dieser Patienten unverändert blieben, kam es offenbar nicht zu dem gefürchteten Phantomschmerz.

 

 

Kümmert sich auch um’s Raucherbein – Die Wundsprechstunde

Sonderausgabe 2001 „Klinikforum UKT Tübingen“

In die Wundsprechstunde der Tübinger Chirurgischen Klinik zur ambulanten Behandlung chronischer Beingeschwüre kommen pro Jahr rund 5500 Patienten, 1000 von ihnen zum ersten Mal, 20 neue Patienten jede Woche. Darunter sind auch viele mit arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beingefäßen.

Diese Leiden sind vor allem eine Folge des Typ-2-Diabetes und der Arteriosklerose. Jeder hat schon mal vom Raucherbein oder der Schaufensterkrankheit gehört. Menschen mit fortgeschrittenen Verengungen der Beingefäße schaffen nur noch kurze Gehstrecken am Stück, eben von einem Schaufenster zum anderen. Sowohl bei den Diabetes-Folgen als auch in Verbindung mit einer Arteriosklerose besteht ein hohes Amputationsrisiko. Und in beiden Fällen spielt, so der Leiter der Wundsprechstunde Dr. Stephan Coerper, der Bluthochdruck eine Rolle.

Die Ärzte der Sprechstunde arbeiten fächerübergreifend mit der Medizinischen Klinik, den Gefäßchirurgen, Radiologen und der Orthopädietechnik zusammen. Über 60% der Patienten, die in die Wundsprechstunde kommen,. sagt Coerper, können ausschließlich ambulant behandelt werden.

Die entsprechende Infrastruktur ist da: „Wir arbeiten eng mit dem Hausarzt zusammen, damit der Patient in seiner vertrauten hausärztlichen Überwachung bleiben kann. Dazu haben wir inzwischen ein lokales Netzwerk mit den Hausärzten, Sozialstationen und ambulanten Pflegediensten aufgebaut

Falls Sie noch Informationen zur Behandlung chronischer Beingeschwüre haben möchten:
Die Wundsprechstunde ist erreichbar unter
 
Telefon 07071 / 2 98 55 73
Telefax 07071 / 29 52 39
E-Mail stephan.coerper@med.uni-tuebingen.de

 

 

Studie

Studie „Flugreisen: Inzidenz und Prävention der tiefen Venenthrombose“
Aus: The Lancet, Bd. 357, S. 1485 – 1489
Studie belegt:
Spezieller Reisestrumpf schützt auf Langstreckenflügen effektiv vor tiefen Venenthrombosen / Erster klinisch getesteter Reisestrumpf mediven travel


Erstmals wurde die Effektivität des Tragens von Kompressionsstrümpfen zur Vorbeugung des Economy-Class-Syndroms auf Langstreckenflügen durch eine klinische Studie nachgewiesen. Von über 200 Probanden erlitt keiner der Strumpfträger eine tiefe Venenthrombose, zehn Prozent der Teilnehmer ohne Reisestrumpf entwickelten hingegen nach dem Flug eine asymptomatische tiefe Venenthrombose im Unterschenkel.

In der Vergangenheit war es Ärzten in Notfallaufnahmen nahe von Flughäfen aufgefallen, dass sich zunehmend Passagiere mit einer thromboembolischen Problematik nach Langstreckenflügen vorstellten. Bisherige Studien hatten diesen Zusammenhang jedoch noch nicht ausreichend untersucht. 10 bis 20 Prozent aller tiefen Venenthrombosen können zu Komplikationen wie der Lungenembolie führen.

Ziel der aktuellsten Studie war es deshalb, die Häufigkeit tiefer Venenthrombosen bei Passagieren nach Langstreckenflügen festzustellen und die Wirksamkeit des Tragens von speziell entwickelten Reisestrümpfen während des gesamten Fluges zu untersuchen. Durchgeführt wurde die Studie an der Universität London unter Leitung von John H. Scurr.

Von fast 500 Freiwilligen wurden 231 geeignete Probanden im Alter über 50 Jahren in die Studie aufgenommen. Voraussetzung für die Teilnahme war eine unauffällige medizinische Vorgeschichte im Hinblick auf thromboembolische Ereignisse. Patienten mit erhöhtem Risiko für tiefe Venenthrombosen wie Frischoperierte und Schwerkranke wurden ausgeschlossen.

Alle Personen absolvierten jeweils zwei Flüge von mindestens acht Stunden Dauer in der Touristenklasse innerhalb von sechs Wochen. Von 200 Flugreisenden, die bis zum Ende der Studie an allen Untersuchungen teilnahmen, trugen 100 keinen Strumpf. Die andere Hälfte erhielt randomisiert den Reisekniestrumpf mediven travel der Firma medi UK Ltd, Hereford, GB. In Deutschland wird der Strumpf von medi Bayreuth, dem führenden Kompressionsstrumpfhersteller, über den medizinischen Fachhandel vertrieben.

Untersucht wurden die Probanden mittels Duplex-Sonographie jeweils vor der Reise und innerhalb von 48 Stunden nach der Landung. Die vorab erfolgte Ermittlung des Gesamtblutbildes, der Thrombozytenzahl und der D-Dimer-Spiegel brachte keine prognostischen Informationen. Die Messung des D-Dimer-Spiegels nach dem Flug ergab keine auffälligen Ergebnisse.

Keiner der 100 Strumpfträger entwickelte im Rahmen der Studie eine tiefe Venenthrombose. Die natürliche Inzidenz von zehn Prozent kann somit vollständig unterdrückt werden. Venengesunde profitieren demnach signifikant in der Verhinderung des Economy-Class-Syndroms, wenn dieser spezielle Reisestrumpf auf Langstreckenflügen getragen wird. Dagegen entwickelten vier Strumpfträger, bei denen im Vorbefund eine Varikosis bestand, eine oberflächliche Thrombophlebitis. Die leichte Kompression scheint somit bei vorgeschädigten Venen als vorbeugende Maßnahme nicht auszureichen.

Wie die Studienergebnisse belegen, sollte künftig für Venengesunde auf Langstreckenreisen die Empfehlung gelten, spezielle klinisch getestete Reisestrümpfe zu tragen, um das Thrombose-Risiko wirksam zu reduzieren. Für bisher empfohlene alternative Maßnahmen wie Bewegung, spezielle gymnastische Übungen zur Venenaktivierung sowie unter Umständen die Einnahme von Blutgerinnungshemmern (zum Beispiel Aspirin) stehen solche wissenschaftlichen Nachweise noch aus.


Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Kohtes Klewes communication medical
Anke Zarnow, Tel.: 089 / 590 42 – 222
Sonnenstraße 17, 80331 München,
Zarnow.Anke@Kohtes-Klewes.de

 

 


Brillinger GmbH & Co. KG - Handwerker-Park 25 - D-72070 Tübingen
Telefon +49 (0) 7071 / 4104-0 - Telefax +49 (0) 7071 / 4104-500 - E-Mail:
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